
Vom Big Apple nach Berlin - Dani Levy, ein Städter
Der Filmemacher Dani Levy hat schon in vielen Städten gelebt und gedreht. Seine intensivste Begegnung hat er jedoch mit New York gemacht. Die Stadt, die ihn bis heute prägt.

Dani Levy ist Chaos-Levy. Ein Zirkuskind, das die Welt entdecken will. Ein Zigeuner, der in New York nachts mit seinem Schlafsack auf dem Boden der Strasse gelegen hat, damals mit 18 Jahren, als er die Stadt auf seine Art und Weise, nämlich von unten, kennen lernen wollte. Es war 1979, und New York war die grosse weite Welt. Ein Underground-Spielplatz: Punks, Spannungen, eine politisch aufregende Zeit. 1991 kommt er wieder und dreht «Meschugge». Wieder ist es die Energie und die Lebendigkeit der Stadt, die ihn faszinieren. Es ist eine Low-Budget-Produktion, Levy rollt auf Inlineskates von Termin zu Termin.
Ein Reisender auf der Suche nach neuen Geschichte
Dani Levy lebt heute seit mittlerweile 25 Jahren als gebürtiger Basler in Berlin und ist doch irgendwie immer New Yorker geblieben. Es ist die Intensität New Yorks, das Engagement der Menschen dort, die ständige Requisite und die wachsende Patina einer freien, sich immer wieder verändernden Stadt, die Levy anziehen und aus ihm den Menschen machen, der er ist. Ein Reisender auf der Suche nach neuen Geschichten, Menschen, Bildern. An einem Weihnachtsabend in Berlin ist er mit der Kamera losgezogen und hat bei fremden Menschen geklingelt. Bei einsamen Menschen, bei denen, die die Stadt auffrisst. Er filmte die, die sich filmen liessen. Er sagt, es war Neugier. Und das Aufregendste, was er an Weihnachten bisher gemacht hat. Ein typisches Berlin-Erlebnis. New York hat ihn geprägt, doch diese Stadt ist sein Schicksal geworden. Die Stadt, in die er zufällig kam, des Theaters wegen: Rote Grütze, Karl-Kunger-Strasse in Berlin-Kreuzberg. Ein politisches Jugendtheater. Levy musste sich umstellen. Berlin und seine Jugend waren eine Spur rauer, härter und ehrlicher als die Welt in der Schweiz. Die wurde mit jedem Schritt in die neue Welt blasser, leiser.
Berlin: eine Stadt ohne Kostümzwang
Er sagt: Berlin ist eine Stadt wie New York. Direkt und herausfordernd. Ein bisschen unhöflicher vielleicht. Eine Stadt, in der man aber auch deshalb einfach so sein kann, wie man ist. Ganz ohne Kostümzwang. Eine Stadt, die ihn ermutigt, sein Leben zu leben. Ein Leben, in dem er improvisiert, offen auf Menschen zugeht und sich treiben lässt. Levy hat hier 16 Jahre lang in einer Wohngemeinschaft gelebt. Einsam war er nie, sagt er, es fehlte ihm eher das Private. Den Rückzug hat er sich mittlerweile geschaffen und das ist vielleicht seine grösste Errungenschaft: Er hat den Rückzug geschafft, ohne an Lebendigkeit und Neugier zu verlieren. Levy ist Familienvater und geniesst seine Ruhe auf langen Spaziergängen. In Kalifornien, in Frankreich oder in der alten, fernen Heimat: im Engadin. <
Text: Nicole Zepter, freie Journalistin




